Roboterduelle und Renndrohnen: Trends auf der INTERMODELLBAU

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Modellbau und Modellsport entwickeln sich ständig weiter. Die INTERMODELLBAU, weltgrößte Messe ihrer Art, spiegelt die Entwicklungen natürlich wider. 2017 gehen vom 5. bis 9. April ganz neue Themen an den Start. Im Mittelpunkt stehen unter anderem knallharte Roboterduelle und spektakuläre Drohnenflüge. Damit kommen veritable Trendsportarten nach Dortmund, die auf anderen Kontinenten längst unglaublich boomen.

Modellflug hautnah erleben – Was FPV Racing so populär macht

Pechschwarze Nacht in der Wüste, am Horizont funkelt die Skyline von Dubai – und davor leuchten die Kurven, Loopings und Schikanen des „Drone Grand Prix“ im Neonlicht. Der Wettkampf in der arabischen Metropole war 2016 eines der ersten großen Turniere der noch jungen Sportart FPV Racing – mit 150 Teams aus aller Welt. Doch nicht nur in Dubai, auch in den USA und anderswo ist der rasante Drohnenflug schwer im Kommen.

„Das Faszinierende daran ist einfach der Traum vom Fliegen“, erklärt Adam Pyschny sein Hobby. „Man sitzt mittendrin, zumindest gefühlt, und es ist sehr schnell und sehr actionreich.“ Pyschny ist Zweiter Vorsitzender des FPV Modellrennsport Ruhrgebiet e.V. Das „FPV“ im „FPV Racing“ steht für First Person View – also für Modellflug aus der Ich-Perspektive.

In der Westfalenhalle werden in diesem Jahr erstmals Rennen mit FPV-Multikoptern geflogen. Der Parcours ist dabei futuristisch beleuchtet – Westfalenhallen GmbH / Foto: Anja Cord

Und genau das ist es, was FPV Racing so anders und so aufregend macht. Denn die Piloten steuern nicht einfach nur einen Multicopter, dank Kamera und Videobrille erleben sie halsbrecherische Manöver bei 100 km/h und mehr hautnah mit. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Erlebnis – für Piloten und Publikum gleichermaßen.

Denn auch die Zuschauer sehen, was die Kamera im Multicopter sieht. FPV Racing ist durch das hohe Tempo und viele Zusammenstöße ein attraktiver Zuschauersport. Vielleicht der wichtigste Wettbewerb ist die „Drone Racing League“ in den USA, unterstützt von namhaften Geldgebern wie Stephen Ross, Besitzer des Football-Teams Miami Dolphins, und zu sehen bei TV-Sendern wie ESPN, Sky Sports und ProSieben Maxx. Dazu gibt es Einzelevents wie den „Drone Grand Prix“ in Dubai und zahlreiche nationale Verbände, Vereine und Clubs mit jeweils eigenen Events und Sponsoren.

Geflogen wird je nach Wettkampf bei Tag und bei Nacht auf freien Feldern oder in Sporthallen. Die Indoor-Fights haben oft aufwändige Kulissen, dramatische LED-Beleuchtung und besonders enge Kurven. Letztere zwingen die Piloten zu besonders waghalsigen Manövern und provozieren Zusammenstöße. „Es kracht schon viel, man muss da auch mal was reparieren“, erzählt Pyschny.

In der Westfalenhalle werden in diesem Jahr erstmals Rennen mit FPV-Multikoptern geflogen. Der Parcours ist dabei futuristisch beleuchtet – Westfalenhallen GmbH / Foto: Anja Cord

Drohnenpiloten brauchen aber nicht nur handwerkliches Geschick zum Basteln und schnelle Finger am Steuerknüppel, sie brauchen auch gute Nerven. Die schnellen Bewegungen der Fluggeräte erleben sie dank Videobrille unmittelbar mit. Einsteiger haben da in den ersten paar Kurven oft ein flaues Gefühl im Magen. Und das ist nur der Anfang: Denn reguläre Flugdrohnen haben oft noch Stabilisatoren an Bord, die zu heftige Bewegungen ausbremsen und Wackler ausbalancieren. Die Rennprofis der FPV-Racing-Szene fliegen jedoch ohne solche Assistenten, um aus ihren Drohnen das letzte bisschen Wendigkeit herauskitzeln zu können.

Dafür braucht es viel Übung, aber nicht unbedingt viel Erfahrung. Schließlich ist der Sport noch ganz neu: In Australien entstanden, gelang ihm erst ab 2015 der weltweite Durchbruch. Auch deshalb, weil erst seitdem die Technik mitspielt. „Vorher konnten wir oft nicht einmal zwei Drohnen parallel fliegen lassen, weil sich die Funkfrequenzen in die Quere kamen“, sagt Pyschny. Heute ist das kein Problem mehr.

Und wer den Sport beherrscht, kann eine Menge Geld verdienen: Beim „Drone Grand Prix“ in Dubai gab es zum Beispiel Preisgelder im Gesamtwert von einer Million Dollar zu gewinnen. Allein 250.000 davon gingen an den Sieger Luke Bannister aus Großbritannien, damals erst 15 Jahre alt. US-Amerikaner Jordan Temkin, Gewinner der „Drone Racing League“ 2016, ist mit seinen 22 Jahren nicht viel älter. „Das ist ein sehr junger Sport“, sagt Pyschny. „Hier in Deutschland sind die meisten, die das machen, so zwischen 20 und 30 Jahren.“

Auch auf der INTERMODELLBAU findet jetzt ein „INTERCOPTER Racing Cup“ statt, mit Teilnehmern aus sieben Nationen, wie Pyschny erzählt. Der Plan ist, dass daraus künftig eine übergreifende deutsche Hallenmeisterschaft wird. „In Deutschland gibt es zurzeit etwa 5000 Leute, die das intensiv betreiben“, sagt Pyschny – Tendenz steigend. Denn der Einstieg ist einfach und nicht übermäßig teuer: Für die Kombination aus Videobrille, Zubehör und dem ersten Multicopter müssen Interessenten Pyschny zufolge etwa 1000 Euro einplanen.

Flughöhe und Kenntnisnachweis – Neue Regeln für den Modellflug

Mehr als 400.000 Drohnen sind hierzulande bereits unterwegs, schätzt der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV), viele davon deutlich größer und technisch noch aufwändiger als die relativ kleinen FPV-Flitzer. Für kurze Zeit sah ihre Zukunft düster aus. „Für uns wäre der Modellflug in Deutschland damit substanziell gefährdet gewesen“, sagt Christoph Bremer, Sprecher des Deutschen Modellflieger Verbands (DMFV). Er spricht von einer Novellierung der Luftverkehrsordnung. In ihrer ursprünglich vom Bundeskabinett beschlossenen Fassung sah sie außerhalb von Modellflugplätzen für alle Flugobjekte eine Höhengrenze von 100 Metern vor.

Doch nach monatelanger Lobbyarbeit ist dieser Passus nun aus der Novellierung verschwunden. „In ihrer jetzigen Form ist das eine Regelung, mit der wir gut leben können“, sagt der DMFV-Sprecher. Strengere Regeln soll es für den Modellflug künftig aber trotzdem geben. Was vor allem an der steigenden Popularität von Drohnen oder Multicoptern liegt. „Die kann jeder fliegen, ohne es erst lernen zu müssen“, erklärt Bremer. „Die packen Sie aus, machen die Batterien rein und können losfliegen.“

Das macht die Geräte einerseits attraktiv, auch und gerade für Anfänger. Weil die steile Lernkurve zu Beginn entfällt, kommen Modellflug-Einsteiger aber nicht mehr unbedingt mit Kennern in Kontakt – und damit auch nicht mit den Regeln. Weshalb Modellflieger außerhalb spezieller Flugplätze künftig unter anderem einen sogenannten Kenntnisnachweis brauchen. Für Veteranen des Hobbys sei das vielleicht ärgerlich, sagt Bremer. Sinnvoll sei die neue Regelung aber trotzdem: „Mit einem Fluggerät ist man eben Teilnehmer am Luftverkehr, und da gibt es Regeln zu beachten.“

Duell der Blechkameraden – Roboterwettkämpfe als Trendsport

Ein weiterer Trend auf der INTERMODELLBAU spielt sich zwar nicht in der Luft ab, ist jedoch nicht minder spektakulär als die Drohnenrennen: Kontrahenten gehen mit Säge und Hammer aufeinander los, stoßen einander in Gruben oder verteilen Stromstöße. Zimperlich geht es bei Roboterschaukämpfen nicht zu. Doch wie der Name schon sagt, sind die Kontrahenten nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Kunststoff oder Metall – ferngesteuerte Roboter in einer Arena.

Am Samstag und Sonntag feiern Roboter-Schaukämpfe auf der INTERMODELLBAU Premiere. Daniel Koch (26) von der German Roboteers Association zeigt einige der Kampfgeräte. Nicht schön, aber im Duell der Maschinen wirkungsvoll – Westfalenhallen GmbH / Foto: Anja Cord

Wobei es „Schaukampf“ eigentlich nicht ganz trifft. Denn die Duelle sind echter sportlicher Wettbewerb, kein Theater. „Es geht darum, den anderen fahrunfähig zu machen oder in eine Grube zu schubsen“, erklärt Marcel Kussmann das Prinzip. Er ist Zweiter Vorsitzender des Vereins German Roboteers Association, die auf der INTERMODELLBAU die erste Deutsche Meisterschaft im Roboterschaukampf veranstaltet.

Wie beim Boxen und bei anderen Kampfsportarten gibt es auch beim Roboterkampf strenge Regeln. Bestimmte Waffen wie Flammenwerfer sind zum Beispiel verboten. „Genau wie alles andere, was Zuschauern außerhalb der Arena gefährlich werden kann“, sagt Kussmann. Dazu gibt es Gewichtsklassen – von ganz leichten Modellen, die höchstens 150 Gramm wiegen dürfen, bis zu den etwas schwereren Varianten bis 13,5 Kilogramm.

Noch schwerere und damit teurere Roboter gibt es bisher fast nur in den USA oder Großbritannien. Denn da ist der Roboterkampf schon seit Jahren Fernsehsport, mit legendären Sendungen wie „Robot Wars“ oder dem kürzlich wiederaufgelegten „Battle Bots“. „Ich schätze mal, dass es in England etwa 100 Teams gibt, in den USA mindestens auch nochmal. Da ist die Szene schon etwas größer als hier“, berichtet Kussmann.

Die Roboterfans arbeiten meistens im Team, was daran liegt, dass es nicht nur um den Wettkampf geht. Im Gegenteil. Viel mehr Zeit nimmt das Bauen, Basteln und Reparieren der Roboter in Anspruch. Und das geht in der Gruppe natürlich am besten. „Ich kann Anfängern nur empfehlen, sich im Internet oder in der Nähe ein paar Gleichgesinnte zu suchen“, sagt Kussmann. Viel Geld müssten Roboterbastler für den Einstieg zunächst nicht ausgeben: Wer in den unteren Gewichtsklassen einsteigt, kann laut Kussmann schon für weniger als 300 Euro einen wettbewerbsfähigen Roboter bauen.

Quelle: Westfalenhallen Dortmund GmbH / Fotos: Anja Cord