RETTmobil startet bei Kaiserwetter

Bei hochsommerlichen Temperaturen und besten äußeren Bedingungen wurde die 22. RETTmobil am heutigen Mittwoch (15.05.2024) in Fulda eröffnet. 9.772 Besucher strömten am ersten Tag durch die Tore und bescherten der Veranstaltung vermutlich ein Rekordergebnis für den Eröffnungstag. Dabei herrschte vor zwei Wochen auf dem Gelände noch Krisenstimmung.

Traditionell wird die Eröffnungsveranstaltung der RETTmobil genutzt, um die aktuelle Lage aus der Perspektive von Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz zu beleuchten. „Die derzeitige internationale Situation stellt für alle Fachdienste eine immense Herausforderung dar“, so Hommel. „Großschadenslagen gab es immer schon und wird es auch künftig geben. Hinzu kommt jetzt allerdings der Kriegszustand in Osteuropa, dessen Folgen auch unsere Rettungsorganisationen voraussichtlich noch stark fordern werden“, befürchtet Messechef Hommel. Die Aussichten bezeichnet er als „nicht rosig“.

Dem stimmte Karl-Heinz Banse als Präsident des Deutschen Feuerwehr-Verbandes (DFV) bei. „Die Katastrophen lösen sich mittlerweile fast jährlich ab. So eine Phase wie derzeit haben wir noch nie erlebt, und es wird möglicherweise weitere Situationen geben, die uns alle – Feuerwehren und Hilfsorganisationen – noch sehr beanspruchen werden.“ Es gebe Aufgaben, die es zeitnah zu besprechen und zu regeln gelte. „Das geht nicht als Einzelkämpfer, diese Aufgaben können wir nur gemeinsam meistern“, so Banse. An Manfred Hommel gewandt, bedankte er sich für dessen Initiative, immer wieder die Spitzen der Feuerwehren und Hilfsorganisationen anlässlich der RETTmobil an einen Tisch zu holen und die Möglichkeit zum Austausch zu bieten.

Kritische Töne schlug auch Volker Bescht als Schirmherr der diesjährigen RETTmobil an. Der Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe sprach die steigende Zahl von Einsätzen an, die zu einer Überlastung des Rettungsdienstes und einer Berufsflucht von Rettungsfachkräften führten. „Als Grund hat man zu viele Bagatelleinsätze identifiziert“, sagte Volker Bescht. „Doch was verstehen wir darunter? Für die Menschen, die uns rufen, handelt es sich um keine Bagatelle. Die sind auch keineswegs die einzigen Schuldigen. Wir müssen unser System ändern“, forderte der Johanniter-Präsident – unter anderem durch eine bessere Verzahnung von Rettungsleitstellen mit den Zentralen des ärztlichen Notdienstes sowie der vollen Ausschöpfung aller fachlichen Kompetenzen, die Notfallsanitäterinnen und -sanitäter kraft ihrer Ausbildung beherrschen. Manch ein Ärztlicher Leiter Rettungsdienst müsse dafür seinen Widerstand
aufgeben, räumte Bescht ein.

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Einen weiteren Grund, weshalb gut ausgebildete Rettungskräfte ihrem Beruf den Rücken kehrten, griff Professor Dr. Peter Sefrin als Leiter des wissenschaftlichen Programms der RETTmobil auf: die Gewalt gegen Einsatzkräfte. „Das ist keineswegs ein neues Phänomen, was wir jetzt im Vorfeld der Wahlen erleben. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch des Rettungsdienstes werden schon länger nicht nur verbal, sondern auch körperlich attackiert. Für manch einen ist das der Grund, seinen Beruf zu wechseln“, erinnerte Professor Sefrin die Gäste. „Diesen Entwicklungen müssen wir alle entgegentreten. Das gebührt unserer Anerkennung für die Arbeit der Helferinnen und Helfer.“


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